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Die Verteidigungserziehung war ein fester Bestandteil des Schulunterrichts in der Zeit des Kommunismus und weckt Erinnerungen bei denen, die in den 70er und 80er Jahren zur Schule gingen. Nach der Revolution im November 1989 wurde dieses Fach abgeschafft, doch bis heute erinnern sich viele an es als Teil ihrer Kindheit. Gasmasken, Plastiktüten an den Füßen und verschiedene Übungen gehörten zum normalen Schulalltag.
Erinnerungen an die Verteidigungserziehung
Die Verteidigungserziehung absolvierten alle Kinder, die in der Zeit des Kommunismus zur Schule gingen. Zu den unverzichtbaren Aktivitäten gehörten zum Beispiel das Aufsetzen von Gasmasken, Arbeiten mit Gummirepliken von Granaten oder Schießen mit dem Luftgewehr. Wichtiger Bestandteil waren auch verschiedene wehrkundliche Wettbewerbe wie „Partisanen‑Maschinengewehr“, bei denen die Kinder die grundlegende Orientierung in der Natur erlernten, mit Gummigranaten warfen und körperliche Übungen absolvierten.
Jan Krucký, Jahrgang 1971, erinnert sich: „Ich erinnere mich, dass wir Cricketbälle statt Gummigranaten warfen. Mir schien, je näher das Jahr 1989 rückte, desto seltener wurden Gummirepliken von Granaten verwendet.“
Mit Übungen, die die Kinder auf einen möglichen chemischen oder nuklearen Angriff vorbereiten sollten, waren Plastiktüten und Regenmäntel verbunden. Wenn es zu einer Explosion kam, sollten die Kinder sich hinlegen mit den Füßen in Richtung Epizentrum. Das wurde oft zum Gegenstand von Schulwitzen.
Gasmasken als Symbol der Verteidigungserziehung
Gasmasken wurden zu einem der markantesten Symbole der Verteidigungserziehung. Jüngere Kinder verwendeten Masken mit Schlauch, wobei der Filter in einer Tasche versteckt war, die sie über die Schulter trugen. Ältere Kinder hatten bereits Masken ohne Schlauch. Diese Masken waren in den Lagern des Zivilschutzes bis November 1989 verfügbar.
Geschichte und weiterer Kontext der Verteidigungserziehung
Die Verteidigungserziehung war mehr als nur eine schulische Pflicht – sie war Teil der Vorbereitung auf das Leben in einer halbmilitärischen Gesellschaft und basierte auf strenger Disziplin. Im Jahr 1966 legte der 13. Parteitag der KSČ die Grundsätze der Verteidigungserziehung fest, die zunächst Teil des Sportunterrichts war, später aber als eigenständiges Fach eingeführt wurde.
Grundsätze der Verteidigungserziehung nach 1968
Nach der Besetzung der Tschechoslowakei im Jahr 1968 und der anschließenden Normalisierung wurden die Grundsätze der Verteidigungserziehung erneut überarbeitet. Im Jahr 1971, unter der Regierung Gustáv Husáks, wurde dieses Fach an den Schulen gestärkt. Die Verteidigungserziehung wurde für alle Schüler und Studenten verpflichtend.
Verteidigungserziehung in Schule und Gesellschaft
Die Verteidigungserziehung sollte die Kinder nicht nur physisch und moralisch vorbereiten, sondern ihnen auch den Umgang mit militärischer Technik beibringen und zeigen, wie man in Krisensituationen richtig reagiert. Neben der Schule waren auch andere Organisationen wie die Armee, die Pionierorganisation oder der Svazarm in den Unterricht eingebunden. Ziel war es, eine Generation zu erziehen, die auf einen möglichen Angriff vorbereitet und in der Lage ist, sich zu verteidigen.
Obwohl die Verteidigungserziehung nach 1989 aus den Lehrplänen verschwand, bleibt sie Teil der Erinnerungen vieler Menschen, die sie als Bestandteil ihres schulischen Lebens erlebt haben.